Was ist Ergotherapie? 

garconErgotherapie: man ist, was man tut

Image 004Alltagshandlung ist das Kennwort für die Ergotherapie. Ergotherapeuten reden von Betätigung, sie gehen davon aus, dass alle Menschen gerne etwas tun.
Jeder Mensch, alt oder jung, gesund oder krank, möchte bestimmte Dinge tun. Der eine macht gerne Sport mit Freunden, der andere liest lieber ein Buch. Manche arbeiten stundenlang im Garten, anderen gehen eher shoppen oder fahren Fahrrad.
Bestimmte Dinge müssen wir aber auch tun. Wir müssen uns waschen und anziehen, in die Schule gehen, viele von uns müssen Geld verdienen, Kinder versorgen. Die Toilette muss geputzt werden und der Hund muss auch noch Gassi gehen.
Dinge tun, aktiv sein - alleine oder mit anderen - ist uns angeboren. Wir können nur staunen über die natürliche Neugierde von kleinen Kindern für das, was Erwachsene tun. Das wollen sie auch alles machen! Wenn man seine gewohnten Alltagshandlungen nicht mehr machen kann, ist dies vielleicht erst mal OK für einige Dinge, aber nach einer bestimmten Zeit fehlt uns etwas Grundlegendes: „wir sind, was wir tun“. Wer ist man, wenn man nicht mehr alles oder sogar „nichts“ mehr tun kann?

filleAlltagshandlungen bei Erkrankung

Image 002Es kann vorkommen, dass Menschen Alltagshandlungen nicht mehr ausführen können, z.B. durch Erkrankung oder nach einem Unfall. Wenn es danach aussieht, dass dies länger als ein paar Wochen andauern wird, kann es sinnvoll sein, zur Ergotherapie zu gehen. Die Ergotherapeutin schaut mit der Person zusammen, welche Alltagsaktivitäten für Letztere wichtig sind und wie diese wieder ausgeführt werden können. Das können „einfache“ Dinge sein wie Zähne putzen oder ein Buch lesen, aber auch „komplexe“ Dinge wie Einkaufen oder seine Arbeit wieder ausführen.
Wie gut die Alltagshandlung genau ausgeführt werden soll, bestimmt in der Therapie die Person selbst. Das Interessante an Alltagshandlungen ist, dass sie sehr individuell sind: Jeder hat seine eigenen Normen fürs Zähneputzen oder Toilettenreinigen. Gemeinsam mit der Ergotherapeutin wird geschaut, wie die Person wieder Fahrrad fahren, auf den Markt gehen oder im Garten den Rasen mähen kann.


Alltagshandlungen bei Kindern: Es kann vorkommen, dass Kinder es nicht gut schaffen, Alltagshandlungen zufriedenstellend auszuführen. Das können Dinge sein, die andere Personen von ihnen erwarten, wie Schulaufgaben machen, sich selbständig anziehen oder ordentlich essen. Aber auch sie selbst möchten vielleicht bestimmte Dinge besser tun, z.B. genau so gut klettern wie der Freund, schöner schreiben oder besser Tore schießen. Unabhängig vom Behinderungsgrad können Kinder an Alltagshandlungen teilnehmen oder sie selbst ausführen. Wenn es dabei Probleme gibt, kann eine Ergotherapeutin mit Kind und Eltern herausfinden, wie es besser gehen könnte. Es kann hierbei um Aktivitäten zu Hause, im Kindergarten, in der Schule oder in der Nachbarschaft gehen.

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Alltagshandlungen bei Menschen die nicht viel (mehr) können

Es kann vorkommen, dass jemand nicht mehr viel tun kann, weil er schwer krank ist, sich kaum bewegen kann oder einfach sehr schwach ist. Das bedeutet nicht, dass diese Person vielleicht nicht doch etwas tun möchte. Auch kleine Handlungen können für jemanden eine große Freude sein. Es ist für jeden Menschen wichtig, etwas Sinnvolles zu tun! Zusammen mit der Person und ihrem Umfeld kann eine Ergotherapeutin herausfinden, was dies sein könnte, und schauen, was möglich ist. Zum Beispiel teilhaben an einer Kochaktivität, oder telefonieren, draußen den Vögeln lauschen oder einen Brief schreiben, eine Autofahrt unternehmen oder malen.

Ergotherapeuten sind Spezialisten für Alltagsaktivitäten, sie unterstützen Menschen dabei, das wieder zu tun, was für sie wichtig ist.